Das Alters- und Pflegeheim Grossfeld in Kriens ist ein wichtiger Zeitzeuge der späten Moderne. Die geschickte Setzung des Hauses zwischen Dorfzentrum und dem anschliessenden Gebiet Grossfeld wurde bereits im Jurybericht von 1965 gewürdigt: «Die Baumasse liegt geschickt gegliedert, konzentriert im nördlichen Teil der Parzelle, wodurch sich eine sehr grosse Fläche im Süden ergibt.»

Heute liegt das Alters- und Pflegeheim Grossfeld mitten im Siedlungsgebiet. Sie bildet, zusammen mit dem Einkaufszentrum «Hofmatt» und der öffentliche Parkanlage Bellpark, gewissermassen das Zentrum der heutigen Stadt. 

Das neue Lebens- und Begegnungszentrum Kriens entsteht an einem städtebaulich höchst sensiblen Ort mit einem beeindruckenden baulichen Zeitzeugen der späten Moderne. Im Bewusstsein dieser baulichen Verantwortung wird der Teilerhalt des zwischen 1966-1968 erbauten Alters- und Pflegeheims Grossfeld in Kombination mit einem Teilneubau vorgeschlagen. Denn der stilgeschichtlich dem «Brutalismus» zugeordnete Bestandsbau aus Sichtbeton, Flachdach, seiner plastischen Durchbildung sowie der vielgestaltigen Aufgliederung des Bauvolumens galt in der Innerschweiz zu dieser Zeit immer noch als ein Novum. Mit einem Erhalt der wichtigsten Bauteile der Anlage wird diesem Zeugnis der Moderne und dem Werk des in Luzern tätigen Architekten Walter Rüssli der notwendige Respekt gebührt.

Im bestehenden Alters- und Pflegeheim Grossfeld werden die ehemaligen Angestelltentrakte im Norden, die aufgrund von späteren Aufstockungen an Prägnanz und Aussagekraft verloren haben, abgebrochen. Die wichtigsten Gebäudeteile, der Hochbau, der westlich angehängte niedrigere Pflegeheimtrakt sowie die Kapelle bleiben erhalten.
Die Kapelle wird vom nördlichen Bestand frei geschält und erhält neben dem bestehenden Haupteingang einen prominenten Platz mit einem grosszügigen neuen Freiraum. Der Pflegeheimtrakt wird aufgestockt und mit einem neuen Gebäudevolumen erweitert, der die Richtung des Westflügels aufgreift, und sich anschliessend nach Nordwesten orientiert. 

Vom Bellpark kommend eröffnet sich mit dieser Massnahme ein neuer grosser Aussenraum entlang der Grossfeldstrasse, welcher mit der bestehende Kapelle und dem Hochbau den zentralen Eingang zum neuen Lebens- und Begegnungszentrum markiert. Die Erweiterung im Nordwesten präzisiert ausserdem die Parkanlage zwischen dem Zentrum Hofmatt im Norden, den Zeilenbauten im Westen entlang der Horwerstrasse, und dem neuen Alterszentrum im Osten.

Der Ausdruck des neuen Lebens- und Begegnungszentrum Grossfeld sucht den Dialog zwischen alt und neu. Die bestehende Struktur und die plastische Fassadengestaltung im Bestand wird bei der Teilerweiterung für eine Neuinterpretation genutzt. Im Ausdruck bleiben Alt- und Neubau erkennbar, die Verwandtschaft in der Formensprache und Fassadenstruktur lässt beide Teile zu einem Gesamtensemble werden. Die Fassaden sind mit unterschiedlichen mineralischen Putzflächen gestaltet. Mittels Sgraffito-Technik zeichnen sich diese Flächen als geometrische Muster aus. Die einzelnen geometrischen Putzflächen werden unterschiedlich gestaltet. Mittels Hell-Dunkel-Kontrasten im Putz, Farbigkeit und Oberflächenkörnung wird eine Tiefenwirkung impliziert, es entsteht ein Trompe-l’œil-Effekt.
Die Fassaden aus Sichtbeton, Trasskalk und den Fensterelementen werden mit den feinen Holzfüllungen der Fenster und Absturzsicherungen auf sinnliche Weise kontrastiert.

Beteiligte

Bauingenieur
Basler & Hofmann AG
Bauphysik
RSP Bauphysik AG
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