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Die Grundstücke „Neumühle“ unmittelbar am Bahnhof Gelfingen sowie „Am Brunnen“ entlang der Strassengabelung Luzernerstrasse und Heideggstrasse, sind weder vernetzt noch zentrumsaktivierend. Dabei sind in unmittelbarer Nachbarschaft erhaltenswerte oder schützenswerte Objekte und Aussenanlagen vorhanden, die ortsbildprägend sind und die im Zusammenspiel mit den Neubauten auf beiden Arealen ein neues und ortstypisches Zentrum entstehen lassen können. Die im Kantonalen Bauinventar aufgeführten Bauten im Betrachtungsperimeter sind Zeugen der dörflichen Entwicklung der vergangenen Jahrhunderte und prägten das Ortsbild über mehrere Generationen.

Obwohl beide Areale in nächster Nähe zueinander stehen bilden sie unterschiedliche ortsbauliche und verkehrstechnische Situationen ab, welche in den Konzepten und in der Architektur zum Ausdruck kommen. Der Einsatz von Holz als Baumaterial trägt zum ländlichen Charakter des Dorfzentrums bei und bindet die beiden Areale zusammen. Dabei wird die Vielfalt in der Konstruktionsweise von Holz genutzt, um durch eine unterschiedliche Art des „Fügens“ auf die jeweiligen Orte zu reagieren.

AREAL NEUMÜHLE | Das Grundstück zwischen Hauptstrasse und Trasse der Seetalbahn grenzt im Norden an den Freiraum beim Bahnhof Gelfingen. Die bestehenden Bauten auf dem Areal – Getreidesilo mit Haus Neumühle sowie das Lagergebäude – stellen das industrielle Erbe des Dorfes dar. Mit dem Rückbau des Lagergebäudes und der Neunutzung des Areals verliert das Getreidesilo seine Bedeutung. Doch es ist mittlerweile zum identitätsstiftendes Wahrzeichen von Gelfingen geworden und sein Erhalt Zeugnis der industriellen Vergangenheit. 
Zum Ensemble aus Silo und Wohnhaus Neumühle wird ein langer, schmaler Neubau hinzugefügt. Das neue Wohngebäude schräg entlang der Seetalbahn schafft einen stetig sich verjüngenden Aussenraum zum Silo ohne es in seiner Eigenständigkeit zu stören. Gleichzeitig rückt der Neubau von der nördlichen Parzellengrenze zurück, um hier einen neuen Bahnhofsplatz zu gestalten. Zwischen Bahnhof, Neubau und Silo entsteht ein neuer Treffpunkt im Dorfzentrum. Die ebenerdigen Geschosse von Neubau und Bestand werden öffentlich genutzt. Mit der Nähe zum Bahnhof wird eine Akzentuierung und eine Attraktivierung des Zentrums Gelfingen geschaffen. Der Neubau antwortet auf das industriell geprägte Umfeld mit einer kraftvollen Holzkonstruktion mit einer vertikalen Tragstruktur, die im Erdgeschoss durch Sichtbetonstützen und Unterzügen aufgenommen wird. Der Materialwechsel – vom Holzbau zum Massivbau aus Sichtbeton – nimmt unmittelbar Bezug zum Silo und visualisiert die öffentlichen Teile des Areals. Für den Einbau von Loftwohnungen erfährt das Silo eine bauliche Zäsur an der Westfassade ohne seinen industriellen Ausdruck zu verlieren. In das entkernte Silo wird ein „Setzkasten“ aus Holz eingeschoben, der nicht nur raumbildend ist, sondern im rahmenartigen Fassadenelement Brüstungen und verschiebbare Sicht- bzw. Sonnenschutzelemente integriert.

AREAL AM BRUNNEN | Ortsbildprägend ist hier das Wegkreuz mit dem Brunnen welches im Kantonalen Bauinventar als erhaltenswert aufgeführt ist. Beide Elemente werden erhalten und in die neue Gestaltung des Freiraums integriert. Vier Wohnhäuser charakterisieren das neue Areal am Brunnen. Jedes dieser Häuser reagiert mit Vor- und Rücksprüngen auf den Ort. Durch diese Verzahnung entstehen zwischen den Häusern wertvolle und unterschiedlich qualitätvolle Freiräume. Mit dem Erhalt der bestehenden Linde wird dieser Ort zu einem Treffpunkt im neuen Quartier gestaltet. Alle Wohnhäuser folgen gemeinsamen Regeln – in der Grundrissstruktur und in der Fassadengestaltung – so dass innerhalb der Individualität jedes Wohnhauses eine harmonische Gesamtanlage entsteht. Im Erdgeschoss wird auf Kleingewerbenutzungen verzichtet zugunsten von kleineren Wohnungen oder Studiowohnungen. Denn die optimale Einbettung der Wohnhäuser in die Topographie schafft auch im Erdgeschoss geschützte Wohnbereiche. Die Fassaden der Wohnhäuser reagieren auf ihre Nachbarschaft mit feingliedrigen und filigranen Holzkonstruktionen aus vertikalen und horizontalen Strukturen. Die Holzfassaden zeichnen im Wechsel aus offenen Loggien, halbtransparenten Wohn- und Essbereichen sowie geschlossenen Fassadenteilen fliessende Übergänge in der Fassadenabwicklung und vermeiden eine Monotonie innerhalb der Wohnanlage.

Beteiligte

Landschaftsarchitektur
SIMA | BREER GmbH

Nächstes Projekt

Erneuerung Kunstmuseum Thurgau