Material z’Mittag: Der Wormserputz

Am Material z’Mittag stellen Fachleute aus Architektur, Kunst und Handwerk ein Projekt vor, bei dem die Materialität eine ausserordentliche Rolle spielt. Dazu wird ein z’Mittag offeriert. Pinar Gönül referiert über Putz, einen der alltäglichsten und wohl am häufigsten angewendeten Baustoffe, ein Material des Hintergrundes. Und dennoch haben gerade alte Putze und Putztechniken ein innovatives Potenzial. Der unscheinbare Putz ist eben doch ein besonderer Baustoff. Anhand eines realisierten Projektes stellt Pinar Gönül den durchaus als regional zu bezeichnenden historischen “Wormserputz” vor.

Ganze Städte, Dörfer und Vorstadtsiedlungen sind verputzt. Putz hat sich bewährt, ist praktisch und kostengünstig. Im Zuge der Industrialisierung und der Erfindung der verputzten Aussenwärmedämmung wurden Baustoffe und die Kombination von Materialien zu Putzmörteln technologisch optimiert und im wahrsten Sinne des Wortes «ausgedünnt». Die zeitgenössische Anwendung und Standardisierung wird der Vielfalt des Materials, der Kombination seiner Bestandteile sowie der unendlichen Variabilität von Auftragstechnik und Erscheinung bzw. Gestaltung der Oberfläche dabei nicht mehr gerecht. Alte Putze und Putztechniken geraten zunehmend in Vergessenheit, dabei weisen sie ein durchaus als «innovativ» zu beschreibendes Potenzial auf. Es gilt, diese grosse gestalterische und technische Vielfalt neu zu entdecken und einzusetzen. 

In der Praxis zeigt sich, dass der Putz eine tiefe Auseinandersetzung mit der Rezeptur und der Oberfläche erfordert, unter der eine schier unendliche Vielfalt an verschiedenen Strukturen verborgen liegt. Es zeigt sich einmal mehr, dass der unscheinbare und alltägliche Putz auch ein ganz besonderer Baustoff ist.